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Neujahrsempfangder Korschenbroicher Bruderschaften St. Katharina und St. SebastianusAnsprache des Präsidenten Thomas Siegers, St.-Katharina-Jungesellenbruderschaft Korschenbroich- es gilt das gesprochene Wort - |
Majestäten, Herr Präses, Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schützenbrüder,
Sie alle sind der Einladung der Korschenbroicher Bruderschaften zum Neujahrsempfang gefolgt. Ich möchte Sie nun noch einmal einladen. Ich lade Sie ein mir in den nächsten Minuten zu folgen bei einer Suche. Einer Suche nach Orientierung, nach Vorbildern und dem was erstrebenswert erscheint auf dem Weg durch das neue Jahr.
2004 – das ist eine beeindruckende Zahl. Noch vor wenigen Jahren haben wir ehrfürchtig in Richtung Jahrtausendwende geblickt, uns gefragt was mag kommen wenn das Jahr 2000 beginnt. Und mittlerweile ist uns die 2 am Anfang der Jahreszahl schon vertraut geworden. Nichts besonderes mehr, warum auch, die Zeit läuft unbeeindruckt weiter, die Jahre kommen und gehen. Und auch jetzt stehen wir also wieder am Beginn eines neuen Jahres. Zeit zurückzuschauen auf das was gewesen ist, viele Jahresrückblicke in den vergangenen Wochen haben das gezeigt. Natürlich ist es aber auch die Zeit um nach vorne zu schauen. Nach vorne zu schauen und neue Ziele zu setzen.
Wer kennt das nicht: Gute Vorsätze für das neue Jahr, man nimmt sich einiges vor, will vieles anders und manches besser machen. Einiges von dem, was man erstrebt mag dann auch gut gelingen, aber oftmals muss man sich nach kurzer Zeit eingestehen, das Erwartungen und Ziele zu hoch gesetzt waren und man kehrt ab von den „guten Vorsätzen“. Das ist dann vielleicht innerlich eine Enttäuschung.
Aber was ist das überhaupt, „Gute Vorsätze“? Es drückt sich zumeist aus in dem Streben nach gesünderem Leben, nach persönlichen Wünschen, nach Erfolg. Wir möchten uns gut fühlen und zufrieden sein mit uns, unserer Umgebung und allem was zu unserem Leben gehört. Und nach dieser Zufriedenheit suchen wir. Die Sehnsucht nach Zufriedenheit schickt uns fast immer und überall auf die Suche, in allen denkbaren Variationen. Einige Beispiele: Menschen suchen nach dem Sinn des Lebens, wieder andere nach Selbstverwirklichung, man sucht einen Partner fürs Leben, Politiker suchen nach Reformen und auch Deutschland sucht von Zeit zu Zeit: „Deutschland sucht den Superstar“.
So etwas mag scherzhaft klingen, aber man muss sich an dieser Stelle auch fragen: Ist wirklich all dieses Suchen nötig? Vergessen wir nicht manchmal vor lauter suchen das Finden? Können wir überhaupt noch unterscheiden zwischen dem was sich wirklich lohnt zu suchen und dem was nur etwas Oberflächliches oder ein vorübergehender Trend ist?
Sicherlich ist es in vielen Situationen wichtig zu suchen. Immer dann, wenn uns das Leben ein Problem stellt. Und Probleme gibt es leider auch in unserer Wohlstandsgesellschaft genug. Derjenige, der keine Arbeit hat und nicht weiß, wie es weitergehen soll, weil die wirtschaftliche Existenz auf dem Spiel steht, muss sich verständlicherweise verzweifelt an die Suche machen. Und da wäre es wünschenswert und wichtig, wenn man in dieser Situation Unterstützung erhält von Mitmenschen. Menschen, die über den eigenen Tellerrand hinausblicken und versuchen sich der Probleme von anderen anzunehmen. Menschen, die helfen und nicht die Verzweiflung anderer ausnutzen um daraus eigenen Profit zu schlagen.
Wir müssen uns hier den schwierigen Problemen unserer Zeit stellen, müssen versuchen unter gegenseitiger Unterstützung Lösungen zu finden und dürfen nicht vor der Realität fliehen.
Aber gerade da besteht eine Gefahr. Eine Gefahr weil mit Hilfe von Medien und im Interesse des Konsums und Profits andere Reize locken. Das drückt sich dann in dem aus, was wir woanders suchen. In einer Welt, in der die Hülle, der äußerliche Glanz mehr zählt als der eigentliche Kern der Dinge.
Und das begegnet uns tagtäglich in vielen Varianten. Ich will hier einmal die Suche nach Vorbildern, nach Idolen und Stars herausgreifen. Gerade habe ich etwas scherzhaft die Suche nach dem deutschen Superstar genannt. Die Medien überschlagen sich ja hier geradezu mit solcher Art von Wettbewerben. Künstlich werden Stars produziert, alles muss verglichen und bewertet werden: Musikstars, Sportler, Models selbst der größte Deutsche aller Zeiten wird gesucht. Und all das hat einen immensen Erfolg. Es wird angenommen von den Menschen, es lassen sich damit hohe Einschaltquoten erzielen und nicht zuletzt auch viel Geld, denn die besten Chancen hat ja nicht unbedingt der mit dem größten Talent oder der besten Leistung, sondern derjenige, der sich am besten vermarkten lässt oder bereit ist, durch Provokation die bestehenden Grenzen am weitesten zu überschreiten.
Ich will das ganze nun gar nicht pauschal verurteilen. Nichts spricht gegen Wettbewerbe oder gegen Vergleiche, auch nicht dagegen, jemanden mit einem bestimmten Talent ganz groß raus zu bringen. Es muss bei dem ganzen aber die Verhältnismäßigkeit stimmen. Man muss es als Unterhaltung ansehen und es richtig einzuordnen wissen. Auch die Menschen, derer man sich bei dem ganzen bedient, dürfen nicht ausgenutzt werden und letzten Endes auf der Strecke bleiben.
Und gerade hier fehlt mir diese Relation, die Unterscheidung wo handelt es sich um Unterhaltung, oder wo wird das Wesentliche mal wieder nach hinten geschoben und man beginnt eine künstliche Welt zu schaffen, in der Vorbilder aufgebaut werden, die dieser Funktion nicht gerecht werden können.
Ich denke gerade für junge Menschen besteht hier eine Gefahr und wir müssen uns unserer Verantwortung bewusst sein.
Was ist denn ein Star? Ein Star wird aufgebaut, lässt sich feiern, wird umschwärmt. Der Personenkult steht im Vordergrund, so als würde man einen Helden verehren. Aber was macht es wirklich aus um ein Held zu sein?
Meine Damen und Herren, wir sollten den Maßstab hierfür ganz anders ansetzen. Für mich ist nicht der ein Held, der es schafft mit einem flippigen Äußeren die Blicke auf sich zu ziehen, nicht der, der in der letzten Spielminute ein entscheidendes Tor schießt und schon gar nicht der, der mehr oder weniger wahre Peinlichkeiten aus seinem Leben in Büchern verkauft. All diese Dinge sind wichtig, sie unterhalten uns, machen das Leben amüsant, tragen zur allgemeinen Erheiterung bei, aber ein Held zu sein, dass liegt zumeist außerhalb von jeglichem Unterhaltungswert.
Wie sieht es aus in der Familie, im engsten Kreis, bei dem was nicht in der Öffentlichkeit geschieht. Haben wir nicht alle schon mal verzweifelt vor einem Problem gestanden und darüber nachgedacht aufzugeben.
Beziehungsprobleme, Streit, finanzielle Sorgen, Krankheiten oder gar der Tod eines geliebten Menschen. Probleme können so vielseitig sein. Und wir haben vielleicht in einer solchen Situation zu uns selbst gesagt: Nein, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich schaffe es nicht mehr.
Aber dann haben wir uns doch noch einmal aufgebäumt, mit ganzer Kraft dagegen gestemmt, sei es, dass wir selbst darum gekämpft haben, oder uns Mitmenschen geholfen haben und wir es in Gemeinschaft geschafft haben das Problem zu überwinden. Da liegt für mich wahre das Heldentum, wo Dinge bewältigt werden, die sich nicht unterhaltsam in der Öffentlichkeit darstellen und vermarkten lassen, aber die genauso eines Talents bedürfen, nämlich der Fähigkeit sich dem Leben zu stellen mit all seinen Widrigkeiten und Ihnen zu trotzen und das Beste daraus zu machen. Da ist dann jedes gelöste Problem wie ein entscheidendes Tor und die Torschützen sind mitten unter uns, auch wenn sie nicht von Tausenden umjubelt werden.
Liebe Schützenbrüder, für uns Korschenbroicher Bruderschaften ist 2004 ein ganz besonderes Jahr. Wir sind im September Ausrichter des Bundesschützenfestes. Eine kleine Stadt ist Gastgeber für über 30.000 Schützen und noch mehr Zuschauer. Um das zu bewältigen bedarf es vieler Suchen nach Lösungen und letztendlich vieler kleiner Helden, die es möglich machen, so etwas in Gemeinschaft durchzuführen.
Und dann feiert die St.Sebastianus Bruderschaft in diesem Jahr ihr 500-jähriges Jubiläum. 500 Jahre, eine runde Zahl, ein großes Fest, hört sich toll an. Wir feiern das in großem Rahmen mit allem was dazugehört. Aber schauen wir doch auch mal dahinter. Brechen wir diese runde Zahl auf, 500 Jahre, und schauen hinein. Es ist längst nicht alles überliefert und bekannt, was in dieser Zeit rund um die Bruderschaft geschehen ist, aber eines ist klar:
Es gab manches Problem zu bewältigen und man wird manches Mal vor der Frage gestanden haben: Macht es überhaupt noch Sinn weiter zu machen?
Kriege und Not hat es in dieser Zeit gegeben, äußere Einflüsse, die die Existenz der Gemeinschaft auf die Probe gestellt haben.
Und dann hat es immer Schützenbrüder gegeben, viele, deren Namen wir heute nicht einmal mehr kennen, die sich auf die Suche nach Lösungen gemacht haben, die sich aufgebäumt haben und gesagt haben: „Jetzt erst recht“. Das, was wir tun ist gut und wir machen weiter, egal wie schwer es uns die Umstände machen. Diese Schützenbrüder, einfache Bürger, viele heute nicht mehr bekannt, sie waren keine Stars, aber sie waren Menschen, die etwas erreicht haben, für die Gemeinschaft und deshalb waren sie Helden.
Dazu gehören auch die Schützenbrüder, die nach dem 2.Weltkrieg, als beinahe alles verloren war, als man auf den Trümmern vieler Existenzen stand gesagt haben: Wir fangen wieder an, wir müssen uns der schwierigsten Lage stellen und müssen es versuchen.
Und heute stehen wir hier und können zu Recht feiern und wissen, dass wir es vielen kleinen Helden zu verdanken haben. Wir wissen es, für unsere Bruderschaften, aber wir sollten es auch wissen für unser aller Leben, für den Alltag. In jedem steckt ein Held, jeder kann etwas erreichen und das zählt, auch wenn einem nicht Tausende zujubeln.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Schützenbrüder, ich wünsche Ihnen für das Jahr 2004 alles Gute, Gesundheit und Glück. Seien sie nicht betrübt, wenn sie das ein oder andere Ziel was sie sich gesetzt haben nicht erreichen, sondern machen Sie sich auf die Suche. Es gibt viele Situationen, in denen es sich lohnt nicht aufzugeben, sondern sich auf die Suche nach Lösungen zu machen. Helfen Sie Probleme zu lösen, ob sie klein oder groß sein mögen. Jeder der das schafft ist ein Held. Seien sie Helden. Ich danke Ihnen.